JUSO kritisiert SP-Regierungsrat Reto Müller
Die JUSO Kanton Bern distanziert sich von den Aussagen des SP-Regierungsrates Reto Müller gegenüber der Redaktion von Bund/BZ, wonach Hitze für Schüler*innen “auch eine Komfortfrage” sei und sie lernen müssten, damit umzugehen.
Die JUSO Kanton Bern kritisiert die Aussagen des Regierungsrates Reto Müller bezüglich allfälliger Hitzeschutzmassnahmen an Berner Schulen scharf. So argumentierte der SP-Politiker beispielsweise mit vermeintlichen sozial problematischen Folgen dagegen, den Stundenplan während Hitzeperioden anzupassen. Für die JUSO Kanton Bern ist klar, dass die Hitze, der die Berner Schüler*innen aufgrund der Klimakrise zunehmend ausgesetzt sind, und soziale Gerechtigkeit nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen. Im Gegenteil: Die Folgen der Klimakrise treffen insbesondere sozial schwächer gestellte Menschen härter, da sie weniger Spielraum haben, sich davor zu schützen. Sowohl Klimaschutzmassnahmen als auch Massnahmen zur Abschwächung der bereits bestehenden Folgen der Klimakrise müssen sozial gerecht erfolgen.
“Es ist dreist und eines SP-Regierungsrates unwürdig, von Schüler*innen und Lehrpersonen zu verlangen, sich mit der Hitze abfinden zu müssen, während die Profiteur*innen der Klimakrise ungeschoren davonkommen und sich in ihren Privatpools abkühlen.” meint Charlotte Günther, Präsidentin der JUSO Kanton Bern.
Als Vorsteher des Bildungsdepartements müsse es Müllers oberste Priorität sein, den Schüler*innen bestmögliche Lernbedingungen zu schaffen, anstatt sie abhärten zu wollen. Als Sozialdemokrat müsse Müller ausserdem aufzeigen können, dass die Klimakrise eine direkte Folge des kapitalistischen Wirtschaftssystems ist und dementsprechend handeln, so die Jungsozialist*innen. Wo der Handlungsspielraum auf kantonaler Ebene eingeschränkt ist, wäre es die Aufgabe des Regierungsrates, auf nationaler Ebene Druck zu machen.
Die JUSO Kanton Bern fordert in besonders betroffenen Schulen und Altersheimen kurzfristig Klimaanlagen, mittel- und langfristig bauliche Massnahmen wie Isolation und Begrünung, sowie allfällige Stundenplananpassungen bei gleichbleibendem oder ausgebautem Betreuungsangebot an Schulen. Nina Schlup, Vorstandsmitglied der JUSO Kanton Bern und Lehrerin betont, wie wichtig solche Massnahmen wären: “Ich habe schon während der Hitzewelle im Juni bei meiner eigenen Klasse gemerkt, dass es nicht möglich ist, qualitativ hochwertigen Unterricht durchzuführen, wenn die Politik darin versagt, angemessene Bedingungen zu schaffen.” Auch der Arbeitsschutz müsse spezifisch in Bezug auf Hitze ausgebaut werden.
Für die Jungsozialist*innen ist klar: es kann nicht sein, dass von der breiten Bevölkerung verlangt wird, individuell mit der Hitze klarzukommen, während an den Verhältnissen, die überhaupt erst zur Klimakrise geführt haben, nichts verändert wird. Nachdem die Schweiz und der Kanton Bern im Klimaschutz auf ganzer Linie versagt haben, ist es nun ihre Aufgabe, mindestens die Folgen davon sozial gerecht abzufedern.